DIE GROSSE BELOHNUNG

Es ist einmal höchste Zeit, Danke zu sagen: Danke an meine Familie, meine Freunde, meinen Verein – und an Euch, liebe Fans. Mit Eurer Unterstützung habe ich es nach vielen schweren Monaten geschafft, auf den Fußballplatz zurückzukehren. Ich kann kaum beschreiben, wie schön es sich anfühlt, dass in mir drin weiterhin das Feuer brennt. Und jetzt kann ich es mal zugeben: In dieser Verletzungsphase hatte ich das erste Mal Zweifel, ob ich es noch einmal packe.

Als meine Physios mir vor ein paar Wochen sagten, wir arbeiten jetzt darauf hin, dass ich am 14. März das erste Mal im Kader stehen kann, dachte ich noch, dass das total irreal ist: Ich hatte noch immer Restschmerzen im Knie, hatte noch kein Teamtraining hinter mir. Und dann ging der Plan doch auf. Zehn Tage später wurde ich sogar schon das erste Mal eingewechselt – ausgerechnet genau an dem Datum, an dem ich mir vor Jahren das erste Mal das Kreuzband gerissen hatte. Mir wurde in den Sekunden, bevor ich das Spielfeld betrat, wieder einmal bewusst, wie sehr es sich lohnt, immer an sich zu arbeiten. Es gibt ein Video, wie ich an der Seitenlinie auf meine Einwechslung warte. Ich habe ein Dauergrinsen im Gesicht. Es ist ein unglaubliches Gefühl, dieses Trikot tragen zu dürfen. Ich hatte es vorher nur in der Vorbereitung und zum Foto-Shooting an. Jetzt trage ich es endlich in offiziellen Pflichtspielen. Dieser Klub hat so eine Aura, so eine Historie – ich will ihm jetzt endlich etwas zurückgeben. Und mir selbst auch.


Ich habe mich lange in Geduld üben müssen. Jede Verletzung macht die Gesamtsituation schwieriger. Ein Jahr Pause wäre bei einem Knorpelschaden nicht ungewöhnlich gewesen, die Schwere meiner Verletzung war ein Schlag ins Gesicht. Auch die Reha verlief mit vielen Auf und Abs. Ich musste ein zweites Mal unters Messer, immer wieder wurde das Knie dick. Irgendwo im Hinterkopf schlummerte die Frage: Kann das je wieder gut werden? Werde ich jemals gesund? Ich wollte unbedingt zurückkommen. Aber keiner konnte mir eine Garantie geben.

Ich habe in dieser Verletzungsphase mehr über mich gelernt als bei früheren Zwangspausen. Weil ich es diesmal anders angegangen bin. Ich habe zu einer inneren Gelassenheit gefunden. Das war wichtig. Ich bin ein Typ, der gerne alles kontrolliert – aber man muss auch lernen, dass man im Leben nicht alles kontrollieren kann. Ich habe London per Radl erkundet, war in Museen und unter anderem auf einer Kunstausstellung im Regent‘s Park. Im Winter bin ich sogar mal für acht Tage nach Thailand geflogen: Die Arsenal-Ärzte hatten mir geraten, abzuschalten. Das wäre mir früher undenkbar erschienen. Doch weniger ist manchmal mehr, zumindest schließt das eine das andere nicht aus – das habe ich nun erfahren.


Als ich in den ersten Tagen sehr frustriert war, habe ich mir selbst zehn Versprechen gegeben. Zum Beispiel, dass ich immer im Hier und Jetzt bleiben sollte, dass ich Emotionen zulassen muss, auf mein Herz und meinen Körper höre. An dieser Liste habe ich mich über die Monate extrem orientiert. Sobald ich begann, über der Vergangenheit zu grübeln oder in die Zukunft abzuschweifen, sagte ich mir: Das kannst du gleich stoppen, das bringt dich nicht weiter. So kam ich Schritt für Schritt vorwärts.  Ich weiß jetzt: Nicht alles strikt zu planen, kann auch zum Ziel führen.

Am Wochenende gab es nun die Belohnung, Entschädigung, Erlösung für diese persönlich so harte Saison: Wir sind Meister! Ich stand bei unserem 4:0 über Brighton die letzten 25 Minuten auf dem Platz, so lange wie noch nie zuvor bei Arsenal, und als der Schlusspfiff ertönte, konnte ich mich wirklich als aktiver Teil dieses Meister-Teams fühlen. Das Wetter war perfekt, das Stadion super – als wäre alles angerichtet für uns gewesen. Für mich persönlich war diese Meisterschaft ein ganz spezielles Happy End. Und sie ist auch ein Antrieb für mich: Ich bin zurück im Spiel, wir haben etwas wirklich Großes erreicht – und ich werde ab der ersten Minute der Saisonvorbereitung wieder alles geben, um neue Ziele zu schaffen.

5 Antworten

  1. Great read, Viki! It’s very nice to see you on the pitch for Arsenal.
    Good to see/hear/read the club and team being so close and supportive of eachother.

    Looking forward to seeing you more on the pitch in the next season.
    We’re going for that Champions League! Come on you Gunners! 🙂

  2. Viki love to see you back on the pitch, Just make sure its not too soon or over do it, I don’t know the reason Tabea was back on crutches during BHAFC when you gall’s became Champion “congrats btw” i guess it was a relaps, but anyway next season i hope to see alot more of you…

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